In Duissern tauchen seit einigen Wochen größere Aufkleber auf, die so wirken, als seien sie ohne professionelles Druckverfahren hergestellt worden. Da die Klebefolien mit denen hier gearbeitet wurde, nicht luftdicht aufeinanderliegen, verschwindet das Stickermotiv darunter bei den winterlichen Temperaturen und in der feuchten Luft schnell wieder. Solange die Zeichnungen noch sichtbar sind, sollen sie in diesem Blogeintrag vorgestellt werden.
Die kurze Halbwertszeit, die die Sticker aufweisen, passt gut zu den dargestellten Motiven. Denn in der Hohenzollernstraße und der Zieglerstraße wurden Darstellungen von Blüten verklebt, die auch in der Natur oft nur wenige Stunden oder Tage sichtbar sind.
Obwohl sich eine korrekte, biologische Bestimmung der dargestellten, radiärsymmetrisch angeordneten und leicht rosafarbenen Blüten als schwierig erweist, könnte es sich um eine Zeichnung von Lilienblüten handeln. In der deutschsprachigen Wikipedia heißt es über die Lilien: „Aufgrund ihres attraktiven Erscheinungsbilds wurden und werden sie in vielen Kulturen als Zierpflanzen geschätzt.“ Allerdings blühen die Pflanzen selten im Winter, was die Sichtung der handgezeichneten Exemplare in Duissern umso exotischer macht.
Die Darstellung von Lilienblüten steht dagegen in einer langen Tradition, die über 3000 Jahre zurückreicht. Bereits auf bronzezeitlichen Fresken in der Stadt Akrotiri auf der griechischen Insel Santorin tauchen Lilienblüten auf. Später machte ihre grazile Ästhetik sie zu den geeigneten Symbolen für die griechische Göttin der Schönheit, Aphrodite. Im christlichen Mittelalter erhielt Maria die Blumen als Attribut. Auch die japanische und chinesische Kulturgeschichte kennt die Nennung von Lilienblüten. Ferdinand Leuxner
Abb. Leuxner, 2025.
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