Erstmals fielen die kleinen eukaryotischen Lebewesen dem Duisburger Blogger Heinrich Hafenstädter im Februar 2017 auf. Überall im Stadtteil Hochfeld wucherten damals gesprayte Pilze. Am 19. Februar sichtete Hafenstädter dann bei einer Fototour endlich auch ein gestickertes Exemplar, das auf einem zurechtgeschnittenen Versand-Aufkleber angebracht worden war.
Pilze faszinieren die Menschen schon seit Jahrtausenden. Dabei hoben bereits die alten Griechen die Unterscheidung zwischen giftigen und essbaren Pilzen hervor. Bei dem Pilz, den Hafenstädter fotografierte, handelt es sich augenscheinlich um den bekanntesten Giftpilz: Den Roten Fliegenpilz (Amanita muscaria). Der Sticker-Pilz weist die markanten, weißen Tupfen auf, die den Fliegenpilz zu einem beliebten Motiv in der Kunstgeschichte machen.
Der Hochfelder Pilz besitzt darüber hinaus ein Comic-Gesicht, das aus zwei unterschiedlich großen Glubschaugen und einem Mund mit zusammengebissenen Zähnen besteht. Insbesondere die geweiteten Pupillen des Pilzes weisen auf die Nutzung als Rauschmittel hin, die ebenfalls in der Kulturgeschichte verankert ist und mit den euphorisierenden Eigenschaften der im Pilz enthaltenen Ibotensäure in Zusammenhang steht.
Umgeben ist der Fliegenpilz von anderen Verwandten, die allerdings schwarz-weiß gearbeitet wurden. Wie bereits angedeutet, war der Pilz nicht allein gekommen. Am 21. Februar tauchte ein vor allem geschriebener Sticker auf, der auf die Verbreitung der Pilze hinwies. Da stand in Schwarz auf grünem Grund: „[Kei]ner kann uns leiden, aber wir wachsen überall.“
Schnell wurde klar, dass es sich bei den Pilzen um ein Werk des Street-Artists „Spore“ handelt, erste unterzeichnete Pilze mit antifaschistischer Botschaft („Better run Nazi scum“) sind am 5. Mai 2017 nachweisbar. Heute sind die gestickerten Pilze weitgehend aus dem Stadtbild verschwunden. Nur in besonders wettergeschützten Ecken in Hochfeld stößt man noch auf sie. Ferdinand Leuxner
Alle Abb.en Heinrich Hafenstädter, 2017.
Zum Weitergucken:
-
Hafenstadtblog: Pilze suchen in Hochfeld (1) – Hafenstadt, abgerufen am 6. Januar 2026.
Kommentar hinzufügen
Kommentare