Sticker der Woche: Weißes Gold

Veröffentlicht am 2. Februar 2026 um 10:49

Speisesalz galt im Mittelalter aufgrund seiner Seltenheit als „Weißes Gold“. Die Orte, an denen es gewonnen werden konnte, gehörten zu den reichsten Gebieten der Welt. Als lebenswichtiger Mineralstoff und weltweit benötigtes Nahrungsmittel ist es bis heute ein begehrtes Handelsgut. Europäer des 21. Jahrhunderts haben dagegen mit einem zu hohen Salzkonsum zu kämpfen, der insbesondere die Nieren belastet.

Das Thema Salz ist also seit Jahrhunderten ein Dauerbrenner. Es wundert daher nicht, dass auch Duisburger Street-Artist sich mit ihm beschäftigen. Dabei schwanken die Aufkleber, die Salz thematisieren zwischen großer, undifferenzierter Begeisterung für das Produkt und der Ablehnung durch das Salz selbst. Zwei Salz-Sticker sollen im folgenden kurz analysiert werden.

Da ist zum einen ein kleiner Kleber, der sich auf der Duisserner Seite der Mülheimer Straße befindet. Er zeigt einen Salzstreuer, der allerdings nicht das tut, was er sollte. Stattdessen weist er zwei schwarze Arme und Beine auf, die an die frühen Darstellungen der Comicfigur Micky Maus erinnern: Die Hände, mit vier statt fünf Fingern, stecken in weißen Handschuhen, während die Füße mit großen, unförmigen Hausschuhen ausgestattet sind.

Der Streuer ist weniger als halb voll mit Salz, das leicht bläuliche Glas ist mit einem Gesicht ausgestattet. Zwei große Augen (die Pupillen erinnern ebenfalls an frühe Disney-Figuren) mit langen Wimpern, einer Punkt-Nase und einem lachenden Mund sowie einem Schönheitsfleck gliedern das Glas. Der Salzstreuer scheint seine Verwendung selbst abzulehnen: Die beiden Hände zeigen den Passant*innen den Mittelfinger. Auf einer der Schuhsohlen ist der Sticker mit dem Künstler*innenname Ell signiert. 

Ganz anders stellt sich die Situation auf einem Aufkleber dar, der sich auf einem der Baustellenabsperrungen in Neudorf-Nord befinden, die Unbefugten den Zugang zum Sternbuschweg versperren. Der Kleber scheint hier schon etwas länger zu hängen, jedenfalls weist er Abnutzungsspuren auf. Zu sehen ist eine Fotocollage, auf der eine Person mit langen Haaren einen Salzstreuer umarmt. Darüber ist ein Wahlspruch zu lesen, der sich explizit gegen die Salzkritiker*innen richtet: „I love Salt“. Dieser Aufkleber macht deutlich, wie weit die Liebe für das „Weiße Gold“ noch heute gehen kann – statt des englischen Wortes für Liebe ist ein Herz gemalt worden. Ferdinand Leuxner

Alle Abb.en Leuxner, 2025 und 2026.

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