Die Interpretation von Stickern, über die man im Duisburger Stadtraum stolpert, ist nicht immer leicht. Hinter den kleinen Klebern stecken oftmals vielfältige, popkulturelle Bezüge. Daneben spielen direkte Anspielungen auf die Kunst- und Kulturgeschichte eine große Rolle. Im Zusammenspiel entsteht dann erst das fertige Produkt. Ein Aufkleber, der vor allem in der City verklebt wurde, steht im Mittelpunkt dieser kurzen Analyse. Dabei hatte ich die Möglichkeit, den Artist selbst nach seinen Inspirationen zu befragen.
Der Sticker ist in Rot und Weiß gehalten und erinnert in seinem Aufbau an ein klassisches Filmplakat. Wie etwa beim Blockbuster „Jaws“ ist ein aussagekräftiges Bild oberhalb des freistehenden Titels montiert. Im Mittelpunkt steht eine gezeichnete, muskelbepackte, männliche Figur. Sie ist nur mit einem zerrissenen Tanktop bekleidet. Lediglich ihr schwarzer Haarkranz und die dicke Oversize-Brille brechen das Erscheinungsbild auf.
Die Figur hebt eine graue Mülltonne mit beiden Händen über ihren Kopf, wie sie aus amerikanischen Filmen bekannt ist. Darunter findet sich der Titel „The Trashman“ in Majuskeln und – wesentlich kleiner und in Schreibmaschinenschrift – der Text „I come out, I throw trash all over the ring“ (engl. etwa: Ich komme raus und verteile Dreck im Ring).
Hinter dem kleinen Kleber steckt der Künstler Kuli Bree, der sein Werk auch signiert hat. Zwei Motive aus bekannten Fernsehserien standen für den „Trashman“, der auch in anderen Städten des Ruhrgebiets wie Oberhausen klebt, Pate. Da ist zum einen die us-amerikanische Sitcom „It’s Always Sunny in Philadelphia“, die seit 2005 läuft und zu den am längsten laufenden, nicht animierten Serien der Welt gehört.
Aufgegriffen wird der in der Serie auftauchende Wrestler „Trashman“, bei dem es sich um ein Alter Ego des Lebenskünstlers Frank Reynolds, der in der Serie von Danny DeVito verkörpert wird, handelt. Die Folge, in der Reynolds aka DeVito zum Wrestler wird, entwickelte unter Fans Kultstatus und taucht deshalb immer wieder auf Memes auf. Es ist das Erscheinungsbild des kleingewachsenen Reynolds und sein Anspruch, erfolgreicher Kampfsportler zu sein, das zur Komik einlädt.
Zum anderen spielte für die Geste, die der „Trashman“ auf dem Sticker zeigt, eine Manga-Serie eine große Rolle. „Trashmans“ hoch erhobene Hände erinnern an das „Genkidama“ aus „Dragonball“. Es gehört zu den stärksten Attacken, die während der Kämpfe in dem japanischen Epos um den Protagonisten Son-Goku und seiner Suche nach den namensgebenden Drachen-Kugeln allerdings nur selten erfolgreich zum Einsatz kommt.
Es ist spannend, wie sich in dem kleinen Hochkant-Aufkleber über den man an Straßenlaternen und auf Stromverteilerkästen stolpert, verschiedene popkulturelle Anspielungen versammeln, die alle aus den 2000er Jahren zu stammen scheinen. Wieder wird deutlich, dass sich ein zweiter Blick auf die Aufkleber Duisburgs lohnt. Ferdinand Leuxner
Abb. Leuxner, 2026.
Zum Weiterlesen:
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Instagram: Kuli Bree | Art Illustration Design (@kulibree) • Instagram-Fotos und -Videos, abgerufen am 9. Februar 2026.
Ich danke Kuli Bree für die Auskünfte zum Werk.
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