Kaum anderen Tieren haftet in der europäischen Kulturgeschichte ein schlechterer Ruf an als Ratten (im Mittelhochdeutschen: Ratzen) und Katzen. Während den kleinen Nagern immer noch die Verbreitung der Pest im 14. Jahrhundert zum Vorwurf gemacht zu werden scheint, wurden Katzen lange Zeit mit dem Teufel in Verbindung gebracht. Wen wundert es, dass diese symbolischen Wesen es auch auf Sticker in Duisburg geschafft haben.
Ganz im Süden der Neudorfer Kommandantenstraße ist die Gefahr besonders hoch, von einer Ratte mit übertragbaren Krankheiten angesteckt zu werden: Das Tier auf dem Sticker hat die beiden Schneidezähne gebleckt. Dabei wird deutlich, dass wir es nicht mit einer normalen Hausratte (Rattus rattus) zu tun haben. Denn die Zähne erscheinen nicht, wie bei den Tieren sonst üblich, als zwei vergrößerte Schneidezähne, sondern erinnern an die spitzen Hauer von Vampiren.
Folgerichtig spielt bei der Sticker-Beschriftung der Biss des Nagers eine zentrale Rolle: „Rat Bite“ steht da in Lettern, die an Ritzzeichnungen erinnern. Hinter dem Getier steckt eine Hardcore-Band aus dem Ruhrgebiet, die sich der – allerdings falschen – Symbolik bedient. Denn die Pest wurde von Rattenflöhen übertragen, nicht durch den Biss des Tieres. Nur eine Laterne weiter findet sich eine ganz andere Darstellung einer Ratte. In Draufsicht wurde der Kopf des Tieres mit den halbrunden Ohren und den Schnurrhaaren an der Nase herausgearbeitet.
Während die Ratte lediglich durch die Überzeichnung Angst und Schrecken auslösen kann, wirkt eine Katze im Innenhafen schon als Umriss bedrohlich. An einem Mäuerchen in der Nähe des im Blog bereits erwähnten Invader-Reliefs (Sticker der Woche: Invader in Duisburg / Blog | Bildstockart) findet sich eine schwarze Katze, der an die vielerorts an Fenster angebrachten Vogel-Umrisse erinnert. Dem Tier haftet so etwas Geheimnisvolles an, das es zu entziffern gilt. Ferdinand Leuxner
Alle Abb.en Leuxner, 2025 u. 2026.
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