In Duisburg gibt es einige Stickerspots, die einen ganz besonderen Charakter haben. Die Symposien in der City sind mit fast allen großen Namen aus der lokalen Szene ausgestattet, der höchstgelegene Spot der Stadt auf der Aussichtsplattform im Landschaftspark-Nord ist ziemlich international (wurde allerdings bei unserem letzten Besuch von Aufklebern aus Niedersachsen dominiert). Heute soll ein weiterer, außergewöhnlicher Ort im Zentrum stehen: Tiger & Turtle – Magic Mountain.
Es handelt sich um eine einer Achterbahn nachempfundene Großskulptur, die im Rahmenprogramm zur Kulturhauptstadt 2010 auf einer Halde in Duisburg-Angerhausen errichtet wurde. Die beiden Künstler*innen Heike Mutter und Ulrich Genth stecken hinter dem Bau. Der Stickerspot befindet sich unweit der aus verzinktem Stahl errichteten, begehbaren Gerüste auf der Rückseite einer Informationstafel.
Erstmals wurde der Spot im April 2025 näher betrachtet. Damals dominierte ein Klebestreifen, der von einem MSV-Fan hier aufgehängt worden war, das Schild. Insgesamt konnten zu diesem Zeitpunkt sehr viele Duisburg-Bezüge auf den Stickern fassbar gemacht werden: Hier und da entdeckte man das Stadtwappen, wohl auch im Zusammenhang mit Fußballfans. Mittig links war aber auch der Spruch des Stadtmarketings „Duisburg ist echt“ angebracht worden. Darüber befindet sich ein Aufkleber der an der Duisburger Universität beheimateten „Schiffbauerzunft“.
Die sonst hier verklebte Vielfalt von Stickern war im April 2025 schier unüberschaubar, weswegen nur einige besonders auffällige Exemplar kurz analysiert werden sollen. Am oberen Rand des Schildes stieß man auf den Schwarz-weißen Aufkleber einer Parkour- bzw. Freerunning-Gruppe aus Essen: Die eigentlich „ODER WATT“ lautende Aufschrift war durch Abreißen verändert worden, sodass nur noch „DER WATT“ zurückblieb. Ganz unten war ein mit zwei Alpakas verzierter Aufkleber zu sehen, auf dem das Wort „Faschismus“ durchgestrichen und durch das Wort „Flauschismus“ ersetzt worden war.
Auch Vereine und Klubs von außerhalb des Ruhrgebiets hatten auf dem Schild ihre Spuren hinterlassen. Das Lucas-Cranach-Gymnasium Wittenberg warb mit einem grellgrünen Aufkleber und auf dem Kleber des fränkischen Fußballvereins TSV Pfarrweisach schwenkte ein vermummter Fußballfan Pyrotechnik. Aus den Niederlanden stammte ein blau-weißer Kleber, der für die Studierendenverbindung J.C. de Druppel mit einer stilisierten Flamme warb.
Inzwischen ist seit diesem Besuch auf dem „Magic Mountain“ ziemlich genau ein Jahr vergangen. Sticker verwitterten, wurden abgerissen oder eingesteckt. Der Spot veränderte sein Gesicht, wurde noch bunter. Im nächsten Blogeintrag sollen deshalb die Wandlungen betrachtet werden, die sich an dem auffälligen Spot auf der Halde ergeben haben. Ferdinand Leuxner
Abb. Leuxner, 2025.
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