Sticker der Woche: Vom Meme zum Sticker

Veröffentlicht am 22. Juni 2026 um 08:25

Ein Sticker im öffentlichen Raum besteht aus einer klebenden Unterseite und einer sichtbaren Oberfläche. Vorne drauf werden Meinungen der Welt kundgetan, künstlerische Projekte sichtbar gemacht oder wichtige Botschaften übermittelt. Dass sich unter den vielen ernstgemeinten Informationen auf den kleinen Klebern mitunter auch echtes Comedy-Gold versteckt, haben verschiedene hier im Blog vorgestellte Sticker schon deutlich gemacht.

Heute sollen einige spezifische Humor-Kleber im Mittelpunkt des Eintrags stehen. Sie sind stark von der Internetkultur geprägt, was ihre Ästhetik beeinflusste. Vorbilder sind Memes, die medienhistorisch eigentlich eng mit den Stickern verwandt sind. Es handelt sich bei diesen um „selbsterstellte Werke [...], aber auch um montierte oder aus dem ursprünglichen Kontext gerissene Fotografien, Zeichnungen, Animationen oder Filme“. (Wikipedia, Meme) Die Memes verbreiten sich rasend schnell im Netz und werden in verschiedene Kontexte gebracht, sodass sie von Eingeweihten erkannt werden können. 

Anders als die meisten Sticker können Memes Geschichten erzählen, weil sie Bewegung und Animation einfangen. Bei ihrer Rückübersetzung ins Analoge werden die einzelnen Frames zu Bildern umgewandelt, sodass Abfolgen entstehen. Eine solche Bilderfolge findet sich beispielsweise im Innenhafen. Sie dreht sich um eine Möwe, die hin und wieder auch in Duisburg zu finden ist.

Es handelt sich um eine Bilderfolge aus vier Elementen. Zu sehen ist ein Meeresvogel, der den Kopf in den Rücken und dann nach vorne streckt. Der nebenstehende Text lautet „Maik/ Komm runter/ et brennt!!!“. Laut der Meme-Enzyklopädie „Know Your Meme“ tauchte die Möwe erstmals 2012 auf Youtube in einem schlichten Tiervideo auf. Spätere Memes erhielten den Titel „Inhaling Seagull“ (engl. inhalierende Möwe), weil die mit ihr verbundenen Sprüche meist aus einem Introsatz (bei dem sich die Möwe zu sammeln scheint) und einer dringlichen Punchline (bei der die Augen der Möwe rot leuchten) bestehen. 

Bei einem anderen Klebe-Meme in der Duisburger Innenstadt handelt es sich eigentlich um die Werbung für einen Dating-App. Die Macher*innen verwendeten dabei das Meme „Drakeposting“, das auf ein Musikvideo des us-amerikanischen Musikers Drake zurückgeht. Es besteht aus zwei Bildern und wird verwendet um Ablehnung eines Ist-Zustandes auszudrücken, der auf dem zweiten Bild in Zustimmung übergeht. Ferdinand Leuxner

Abb.1: Möwe, Leuxner, 2026.

Abb. 2: Drake, Leuxner, 2026 [bearbeitet].

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