Rechtsradikale Handarbeiten

Veröffentlicht am 28. August 2026 um 07:57

Heute stehen einzelne Sticker einer Sammlung von rechtsextremen Eingriffen in den Stadtraum im Mittelpunkt. Ausgewertet wurde die im Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) archivierte Sammlung, die Zufallsfunde seit den 1990er Jahren beinhaltet. Um die hasserfüllten Botschaften der Rechtsextremen nicht ungewollt zu verbreiten, wurden die Sticker verfremdet.

Heute werden Sticker thematisiert, die sich in ihrer Art und Aufmachung von den meisten archivierten Exemplaren unterscheiden. Denn viele extremistische Aufkleber wurden als Massenware irgendwo produziert. Die Verantwortlichen hinter den Hassbotschaften – regelmäßig mit Klarnamen und Adresse auf den Klebern zu finden – sitzen in anderen Ruhrgebietsstädten oder in Düsseldorf, betreiben dort rechte Verlage oder agieren als Herausgeber für Szeneschriften. Sie besitzen die notwendigen Drucker, um große Mengen herzustellen.

Die vorgedruckten Sticker lassen sich schnell im Stadtraum verbreiten, liefern aber vor allem allgemeine Aussagen ohne lokalen Bezug. Immer wieder entfernte das DISS daneben jedoch auch selbstgebastelte Aufkleber, die als Unikate in Duisburg hingen. Sie sind, ohne Urhebervermerk, in ihren Botschaften oft wesentlich radikaler, zeugen zugleich aber auch von einem unästhetischen Blick.

Der älteste dokumentierte, handschriftliche Exemplar hing an der Düsseldorfer Straße in der Nähe des Neuen Friedhofs und wurde am 31. Dezember 2002 entfernt. Handschriftlich wurde darauf die Existenz von Juden infrage gestellt („Juden? Wozu?“). Der Urheber des antisemitischen Stickers bezeichnete die Hängung als Aktion einer unbekannten Gruppe. Im Sommer 2003 wurde ein Sticker auf Duisburger Stadtgebiet mit einem Postaufkleber überklebt. Darauf wurde einer imaginierten Rotfront der Tod gewünscht, wobei der Kleber mit einem sogenannten Keltenkreuz versehen worden war.

Und am 15. September 2014 wurde in der Neudorfer Kommandantenstraße mit einem offensichtlich aus einem Bekleidungskatalog ausgeschnittenen Bild einer Frau Hass gegen Schwarze geschürt, wobei auch das N-Wort gebraucht wurde. Die selbstgemachten Sticker sind Ausdruck eines tief verankerten, xenophoben Selbstverständnisses und setzen das zeitlich aufwändige Basteln von Stickern voraus. Ferdinand Leuxner

Alle Abb.en Leuxner, 2026.

Ich danke dem Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) für die Möglichkeit, die Stickersammlung auszuwerten. Die Sticker wurden verpixelt, um nicht ungewollt deren xenophobe, queerfeindliche, klassistische, verschwörungsgläubige oder misogyne Botschaften und verfassungswidrige Symbole zu verbreiten.

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