Im Norden der Neudorfer Grabenstraße hat ein Unbekannter in diesen Tagen einen alten, wahrscheinlich funktionsuntüchtigen Kühlschrank abgestellt. Das Besondere an diesem Sperrmüll: Er ist über und über mit Stickern beklebt. Damit landete eine zu großen Teilen aus weißen Plastikflächen bestehende „Stickerleinwand“ im öffentlichen Raum, die sich für diese Nutzung besonders gut eignet. Auch draußen werden Sticker nicht einfach irgendwo angebracht. Im Folgenden sollen einige der besonders beliebten Untergründe betrachtet werden, die häufig von Stickern markiert werden.
Denn obwohl die kleinen Kleber aufgrund ihrer Größe wohl fast überall befestigt werden könnten, gibt es unter Duisburgs Stickernden klare Prioritäten. Diese begründen sich zuallererst aus der Beschaffenheit des Materials. Zunächst einmal gilt für alle Oberflächen, auf denen man Sticker anbringen möchte: Diese sollten glatt sein. Metallene Objekte eignen sich am besten, Kunststoff wird ebenfalls gerne genutzt.
Damit aber rücken einzelne Orte im Stadtraum in den Mittelpunkt, die vom italienischen Historiker Vittorio Magnago Lampugnani als „bedeutsame Belanglosigkeiten“ bezeichnet werden. Kleine Objekte, die im besten Fall zu einem Symposium werden können, auf dem sich alle großen Namen der Duisburger Street-Art-Szene finden.
Dabei wurden in Duisburg immer wieder Relikte aus der Mediengeschichte zu solchen Orten der Zusammenkunft gemacht: Telefonzellen, die heute noch – von ihrer eigentlichen Funktion befreit – auf den Straßen und Plätzen der Stadt stehen. Wie der Kühlschrank von Neudorf weisen ihre hellen, weißen oder magentaroten Oberflächen, die idealen Eigenschaften auf, um sie zu bekleben.
Waren die Zellen einst Treffpunkte, an denen man mit Verwandten oder Bekannten telefonierte, werden sie heute in die Kommunikation zwischen Stickernden in der Stadt einbezogen. Allerdings läuft ihre Zeit ab: Die Telekom geht davon aus, dass die letzten Zellen der Stadt noch im Jahr 2025 abgebaut werden sollen.
Damit endet eine Nachnutzung durch die Street-Art-Szene Duisburgs, die unbedingt dokumentiert werden muss. Ausweichobjekte gibt es aber genügend. Sie sollen in weiteren Blogeinträgen behandelt werden. Ferdinand Leuxner
Alle Abb.en Leuxner 2025.
Zum Weiterlesen:
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Kerstin Heidland: Nostalgie: Jetzt verschwinden die letzten Telefonzellen für immer, WAZ (2025), abgerufen am 19. Dezember 2025.
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Vittorio Magano Lampugnani: Bedeutsame Belanglosigkeiten. Kleine Dinge im Stadtraum. Berlin 2019. S. 37-44.
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