Erstmal einen kleben

Veröffentlicht am 21. Januar 2026 um 09:59

Die Duisburger Königsstraße ist voller Sticker. Weil die kleinen Kleber an den speziell gestrichenen Säulen der Arkaden kaum haften, wurden stattdessen die metallenen Straßenlaternen mit ihnen bestückt. Im vorderen Teil der Straße fallen ziemlich kleine, knallrote Sticker ins Auge, die, scheinbar nicht kuratiert, in hoher Dichte an einer einzelnen Laterne hängen. Auf den zweiten Blick wird klar, dass sie sich vor einem us-amerikanischen Einzelhändler ballen, der Waren im unteren und mittleren Preissegment anbietet.

Im Inneren von Warenhäusern sind Sticker allgegenwärtig: Vor allem Preisetiketten und Barcodes werden mit speziellen Geräten auf die einzelnen Produkte geklebt, um den Kund*innen den genauen Preis zu verraten. Was liegt da näher, als dass man sich – nach erfolgreichem Erwerb der Ware – der Aufkleber direkt vor dem Laden entledigt. Der Laden in der Königsstraße bildet keine Ausnahme: Immer wieder finden sich abgerissene Preisschilder oder andere Einzelhandels-Sticker, wie Hinweise auf Rabattaktionen, im öffentlichen Raum.

Eine große Fastfoodkette setzt sogar auf die Klebebereitschaft der Kunden und stattet ihre Produktverpackungen immer wieder mit Aufklebern aus, zuletzt war im Sommer 2025 eine Urlaubsreise-Serie im Umlauf. Die Aufkleber werden nach dem Restaurantbesuch im Stadtraum verklebt und steigern so die Sichtbarkeit des Unternehmens, diese Werbung ist für den Fastfoodriesen gratis. 

Dass es auch genau anders herum funktioniert machte im Jahr 2008 der aus Dresden stammende Sticker-Artist Thomas Judisch deutlich: Er brachte auf verschiedenen Produkten in einem Tiefkühlregal eines Einzelhändlers einen Sticker mit der Aufschrift „Gratisprobe“ an. Dafür wurde er im gleichen Jahr sogar mit dem 1st Sticker Award ausgezeichnet. Ferdinand Leuxner

Alle Abb.en Leuxner, 2026.

 

Zum Weiterlesen:

  • Matthias Müller, Andreas Ulrich (Hg.): Stickers 2. Dresden 2009. 

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