Leinwände. Heute: Straßenlaternen

Veröffentlicht am 28. Januar 2026 um 12:04

Obwohl Sticker eigentlich fast überall befestigt werden können, gibt es unter Duisburgs Stickernden klare Prioritäten. Diese begründen sich zuallererst in der Beschaffenheit des Materials. Dieses sollte glatt sein. Metallene Objekte eignen sich am besten, Kunststoff wird ebenfalls gerne genutzt. Damit aber rücken einzelne Orte im Stadtraum in den Mittelpunkt, die vom italienischen Historiker Vittorio Magnago Lampugnani als „bedeutsame Belanglosigkeiten“ bezeichnet werden.

Alltagsobjekte, die im besten Fall zu einem Symposium werden können, auf dem sich alle großen Namen der Duisburger Street-Art-Szene finden. Heute sollen die Straßenlaternen näher behandelt werden, die sich in fast allen Straßen der Stadt finden. Seit dem 19. Jahrhundert entwickelten sich die Gaslaterne in europäischen Städten zu bedeutenden Elementen der öffentlichen Daseinsvorsorge.

Nachweisbar sind unterschiedliche Typen von Laternen. Während insbesondere in der Innenstadt repräsentative Lampen vorherrschen, an deren gerillten oder gebrochenen Säulen kaum ein Sticker haftet, sind die Wohngebiete und Siedlung voller schlichter Pilzlaternen, die ab den 1950er Jahren in Westdeutschland extrem weit verbreitet waren.

Für die Street-Artist Duisburgs bieten die Laternen einen universalen Zugang zum öffentlichen Raum: Durch ihre Allgegenwärtigkeit können sie als klassische Orte für Aufkleber gelten. Nur wenige Straßenzüge weisen Laternen auf, an denen sich gar keine Sticker befinden. Vollgeklebt wird in der Regel aber nur ein ganz kleiner Bereich: Er ist dem Gehweg zugewandt und befindet sich etwa auf Armhöhe der meisten Stickernden. Seltener wird die Laterne auf dieser Höhe von den Stickern ganz umrundet. 

Je höher einzelne Sticker auf den Laternen angebracht wurden, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie umstrittene politische Botschaften enthalten. Mit der Anbringung an fast unerreichbaren Teilen der Laterne soll der schnellen Entfernung des Stickers und damit der Nachricht zuvorgekommen werden. Passant*innen bieten Laternen die Möglichkeit, schnell einen Überblick über die vorherrschenden Aufkleber in einem bestimmten Gebiet zu erhalten. Im Vordergrund steht die massenhafte Verbreitung von Meinung, weniger das gekonnte Inszenieren einzelner Themen. Ferdinand Leuxner

Abb. Leuxner, 2025. 

 

Zum Weiterlesen:

  • Vittorio Magano Lampugnani: Bedeutsame Belanglosigkeiten. Kleine Dinge im Stadtraum. Berlin 2019. S. 111-123.

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