Sticker sind nicht allein im öffentlichen Raum. Street-Art hat viele Ausdrucksformen: Vom gesprayten Graffiti, über die großen Hauswandbilder, sogenannte Murals, die allgegenwärtigen Tags und die, mit den Stickern eng verwandten, Paste Ups verbreitet sich seit den 2000er Jahren in allen Formen und Farben nichtkommerzielle Kunst in Duisburg!
Selbstverständlich wissen die Akteur*innen darüber Bescheid, was für Kunst sonst noch so draußen anzutreffen ist. Selten genug aber nehmen sie die Werke der anderen in ihre eigenen Arbeiten mit auf. Lediglich die schnelle Reproduzierbarkeit von Stickern macht es möglich, Fotos von anderen Street-Art-Arbeiten im Stadtraum zu verbreiten. Im Folgenden sollen einige Beispiele vorgestellt werden, bei denen sich die einzelnen Gattungen der Straßen-Kunst selbstreferenziell aufeinander beziehen.
In der Duisburger Börsenstraße befindet sich ein Aufkleber an einer mit einer Metallplatte verkleideten Hauswand, auf dem eine echte Street-Art-Idylle zu sehen ist. Eine Backsteinwand mit einigen Altersspuren wurde darauf von einem Graffiti bedeckt. Dahinter erhebt sich die Skyline einer Stadt, deren Umrisse nicht eindeutig zuzuordnen sind. Das Piece im Wildstyle ist durch die Übertragung auf einen Sticker konserviert und kann, trotz Übermalens des Originals, weiter im Stadtraum sichtbar bleiben.
Diese Konservierung ist besonders wichtig für Botschaften, die sich an Orten befinden, an denen sie keine lange Halbwertszeit besitzen. So ist der Aufkleber zu erklären, den einige MSV-Fangruppen im Duisburger Stadtraum anbringen und der einen Zug zeigt. Auf blauem Grund wurde darauf ein Graffiti-Piece angebracht, das die Abkürzung des verfeindeten Vereins Rot-Weiß-Essen um eine Beleidigung ergänzt.
Noch selbstreferenzieller sind die Aufkleber, auf denen andere Aufkleber zu erkennen sind. Diese kleinen Kleber hängen in der Nähe eines Cafés in der Neudorfer Holteistraße in hoher Dichte. Da ist zum einen das Foto einer vollgestickerten Straßenlaterne zu sehen, unter anderem erkennt man eine Arbeit von Dellephant und einen Sticker der MSV-Ultras Kohorte. Als Originalstandort ist die Straßenkreuzung Schweizer Straße/Mülheimer Straße zu identifizieren.
Im Zentrum aber steht ein weißer Aufkleber, auf dem der Text „ICH HAB DAS TOLLSTE MÄDCHEN DER WELT GEKÜSST!“ steht. Ein Vergleich zwischen den heute dort angebrachten Aufklebern macht deutlich, dass es sich um ein älteres Foto handeln muss oder einige der Sticker nachträglich mit digitalen Bildbearbeitungsprogrammen eingefügt wurden. Unweit befindet sich ein weiterer Aufkleber, bei dem eine handgezeichnete Straßenlaterne – voller Sticker und Tags – im Mittelpunkt steht. Leider ist dieser Kleber schon stark verwittert. Ferdinand Leuxner
Alle Abb.en Leuxner, 2026.
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