Um den Friedrich-Wilhelm-Platz in der Duisburger City hängen viele verschiedene Sticker. In dieser bunten Vielfalt von Meinungen und Ideen gehen die seltsamen Umrisse fast unter, die sich, meist in großer Höhe, auf der Rückseite von Straßenschildern befinden. Es handelt sich um langgezogene, fast rechteckige Aufkleber, die oben mit einem markanten Knubbel abschließen. Dass die Aufkleber kaum noch zu erkennen sind, hängt mit ihrem Alter zusammen.
Die Fotodokumentation der Duisburger Künstlerin Heike Marianne Liwa macht deutlich, dass die rechteckigen Stickerreste früher von einem Motiv ausgefüllt wurden: Zu sehen war ein gezeichneter Comic-Fuß mit stopeliger Beinbehaarung und Zehen. Dieser schloss vor dem Knie mit einem sauberen Schnitt ab. Lediglich ein Knochen ragte aus dem Stumpf. Und das Bein war nicht nur auf die Gegend um das Dellviertel herum präsent, sondern fand sich an vielen Stellen im Stadtraum.
Auf einem Bild aus dem März 2021, das am Busbahnhof aufgenommen wurde, findet sich eine einfarbige Darstellung des Beins, hier ist es in Grün gehalten. Bekannt sind aber auch buntere Exemplare. Die Technik verfeinerte sich im Laufe der Zeit: Waren die Beine zunächst auf ein schlichtes Rechteck gezeichnet worden, wurden später Aufkleber mit den Umrissen des Motivs aufgehängt. Nur dadurch, dass die aus dem Bein ragenden Knochen noch heute oberhalb der nunmehr weißen Stickerresten sichtbar sind, lassen sich die Überreste der Beine immer noch zuordnen.
Das Motiv erinnert entfernt an einen Sticker, der bereits im Blog behandelt wurde: Die Screaming Hand (Skatekultur und Sticker / Blog | Bildstockart). Jene abgetrennte, blaue Hand mit dem markanten Mund will dabei wesentlich drastischer in ihrer Wirkung sein. Aber auch das Bein greift, in ironischer Form, das Thema Gliedmaßen-Verlust als Folge von Skaten auf. Die heute weitgehend verschwundenen Beine bilden zugleich eine der ersten Stickerschichten im Stadtraum, um die sich heute vielerorts ganz neue Motive und Themen versammelt haben. Ferdinand Leuxner
Abb. 1: Heike Marianne Liwa, 2021.
Abb. 2: Leuxner, 2026.
Zum Weiterlesen:
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Heike Marianne Liwa: Dellviertel - Heike Marianne Liwa - Bildende Kunst und Fotografie, abgerufen am 23. März 2026.
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