Sticker und die anderen Formen der Streetart teilen sich in Duisburg und anderswo eine gemeinsame „Sprache“. Viele Symbole und Zeichen nehmen Bezug auf ältere Traditionen, die beispielsweise in der Sprayerszene der USA seit den 1980er Jahren bekannt sind. Besonders beliebt scheint dabei die Selbstkrönung zu sein: Immer wieder stolpert man im Duisburger Stadtraum auf den Stickern über kleine Kronen.
Dabei ist die „kostbare, meist aus Gold und Edelsteinen gearbeitete Kopfzierde“ (Wikipedia, Krone), die als Ausdruck von Macht und Würde von christlichen Königen und Königinnen gilt, keineswegs ein Zeichen eines absoluten Machtanspruchs der selbsternannten „Kings“ und „Queens“, sondern vielmehr eine Aufforderung, die Arbeit mit der Krone einer genauen Überprüfung zu unterziehen.
Denn ursprünglich wurden nur die besten Pieces einzelner Artists mit dem Kronen-Label versehen. Die Szene machte aber kurzen Prozess mit den Werken von Künstler*innen, die vorschnell eine Krone anbrachten. In Duisburg findet sich an einigen Stellen in der Innenstadt eine kleine Krone, die auf die ursprüngliche Bedeutung hinweist: Das Krönchen mit dem grimmigen Gesicht taucht wie ein Qualitätslabel in der Nähe von hochwertigen Stickern auf und adelt die geklebte Nachbarschaft mit ihrer Anwesenheit.
Nur noch als Reminiszenz an die ursprünglich Bedeutung greift der im Blog bereits behandelte Artist Rubinski.art die Krone auf (Sticker der Woche: Akte und andere Nackte / Blog | Bildstockart): Seine – selbstverständlich – halbnackte und blaue Repräsentantin eines Kölner Street-Art-Tour-Anbieters wurde mit einer Gitarre ausgestattet und trägt auf dem Kopf eine goldene Krone. Zum „King“ werden die Künstler*innen heute meist nicht mehr selbst, stattdessen erhalten sie dieses Prädikat erst, wenn die Passant*innen die Krone für angemessen erachten. Ferdinand Leuxner
Alle Abb.en Leuxner, 2026.
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