Bereits seit dem zweiten Eintrag in diesem Blog ist bekannt, dass Unternehmen gerne Sticker verwenden, um auf Kunden aufmerksam zu machen. Vom Tattoostudio über den Vapebedarf bis hin zum Restaurant um die Ecke sind es vor allem lokale Einzelhändler, die ihre Sichtbarkeit durch Aufkleber im Stadtraum erhöhen wollen. Immer wieder stößt man in Duisburg aber auch auf kleine Werbekleber, deren Produkte man nicht in einem Laden erwerben kann.
Kompositionen von Musiker*innen sind heute vor allem auf großen Streamingplattformen vertreten, werden also überwiegend als digitales Produkt erworben und rezipiert. Die analoge Werbeform Sticker spielt vor allem für Nachwuchskünstler*innen eine überraschend große Rolle, obwohl man beim Vorübergehen gar nicht hören kann, um was für Musik es sich eigentlich handelt.
Zu einem Zentrum für die gedruckte Musik an Laternen und auf Stromverteilerkästen hat sich der Stadtteil Neudorf-Nord und hier besonders das Gebiet um den Ludgeriplatz entwickelt. Das hängt vielleicht damit zusammen, dass man vom Bahnhof in Richtung Universität hier durchkommt. Auf welche Art und Weise wird hier und überall sonst in Duisburg die eigene Band oder das Musikprojekt beworben?
Die Werbekleber für den Duisburger Singer-Songwriter „Martin Marzipano“ beinhalten einige der Zutaten, die es braucht, um Musik-Sticker im Stadtraum als solche auch zu erkennen: Obwohl der Sticker in Schwarz-Weiß gehalten ist und lediglich den Künstlernamen enthält, macht der angedeutete Gitarrenhals deutlich, dass es hier um Musik geht. Insgesamt scheinen Musikinstrumente, besonders häufig Saiteninstrumente, bereits auf den ersten Blick den musikalischen Hintergrund zu verraten.
So greift auch die Punkband „Wreckless divers“ auf eine akustische Gitarre auf dem ansonsten mit szenetypischen Details wie großen Mengen Bier und einem Menschen mit Irokesenschnitt ausgestatteten Kleber. Die Masche mit den Instrumenten wirkt genreübergreifend: Mit einer Sammlung von E-Gitarren im Hintergrund zeigt sich der Rockmusiker Dagmar Albert Horn.
Daneben inszenieren sich Bands gerne über ein Wort, das sich immer wieder auf Stickern mit Musikbezug findet: „Sound“. Sowohl das Irie/Reggae-Projekt „Many More Sound“, deren Sticker lediglich ein schlichtes weißes Tuch und die Flagge Jamaikas zeigen, als auch die Dancehall-Kombo „Poolshark Soundmachine“ mit ihrem angedeuteten Stimmgerät auf dem Kleber greifen auf das Wort zurück. Ferdinand Leuxner
Alle Abb.en Leuxner, 2026.
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