Sticker der Woche: Eine kleine Karte

Veröffentlicht am 20. April 2026 um 10:16

Im 16. Jahrhundert war Duisburg ein Zentrum der Wissenschaft. Entscheidend trug dazu der Kartograph Gerhard Mercator bei, der seit 1552 seine Werkstatt in der Stadt betrieb. In Duisburg entstand sowohl die große Europakarte als auch die Weltkarte mit den wachsenden Breiten, auf der erstmals die nach Mercator benannte Projektion Anwendung fand. Die Karten Mercators sind bis heute im Stadtbild in Form von großen Skulpturen anzutreffen. Und auch kleine Sticker greifen die Ästhetik der Karten auf.

Der heute im Blog behandelte Aufkleber ist in der Mülheimer Straße zu finden. Entlang des Innenhafens finden sich daneben weitere Exemplare, die ein ähnliches Erscheinungsbild aufweisen. Es handelt sich um selbst hergestellte Kleber, deren Halbwertszeit insbesondere durch Wassereinbruch gering ist. Die Kleber sind aus braunem Papier gearbeitet, was ihre historische Anmutung erhöht.

In wenigen Strichen wird auf der runden Arbeit eine geografische Situation dargestellt. Eine Landzunge, deren Umrisse schraffiert wurden, ragt in einen breiten Fluss. Duisburger*innen mit Ortskenntnis fällt sofort eine Sehenswürdigkeit ins Auge, die sich an dem dargestellten Ufer erhebt. Obwohl der Sticker schwarz-weiß gehalten ist, erkennt man die Skulptur „Rheinorange“, die sich seit 1992 an der Ruhrmündung im Stadtteil Kaßlerfeld befindet. 

Dass es sich um eine historische Karte im Sinne Mercators handelt, wird deutlich, wenn man die Figur betrachtet, die hinter dem „Rheinorange“ hervorblitzt. Da schiebt sich ein Wal im Stil der Seemonster auf den Karten des 16. Jahrhunderts ins Bild. Das Tier ist als Anspielung auf den im Jahr 1966 vor Duisburg gesichteten Beluga zu sehen, dessen glückliche Rückkehr in die Nordsee die Menschen damals bewegte.

Die Karte weist mit einer Umschrift im unteren Teil des Stickers noch einen weiteren Hinweis auf die Verortung der Szene auf. Hier wurde in der bereits im Blog besprochenen, vertikalen Spiegelschrift der Name „Duisburg“ verewigt (Stadtteilsticker in der City / Blog | Bildstockart). Anders als moderne Karten ermöglicht der Sticker die Orientierung im Raum UND in der Zeit. Ferdinand Leuxner

 

Abb. 1: Sticker-Karte, Leuxner, 2026.

Abb. 2: Seemonster auf der Mercator-Weltkarte von 1569, gemeinfrei.

 

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