Von Hansestadt zu Hansestadt

Veröffentlicht am 18. Mai 2026 um 08:19

Die Hansestadt Hamburg ist ziemlich stolz auf ihre Vergangenheit als mittelalterliches Freihandelszentrum: Sogar das KFZ-Kennzeichen greift die historische Bezeichnung auf. Und auch die großen Wasserflächen der Alsterseen mitten in der Stadt erinnern an die engen Verbindungen mit der Handelsschifffahrt. Kaum bekannt ist, dass auch Duisburg seit dem Jahr 1407 Teil der Hanse war.

Ähnlich wie Außen- und Binnenalster wurde der Innenhafen als Verweis auf die alte Schifffahrttradition in Duisburg zu einer Sehenswürdigkeit umgestaltet. Und wen wundert es, dass hier besonders viele Hamburger*innen ihre Sticker verkleben? Eine hohe Dichte an künstlerischen Aufklebern aus dem Stadtstaat finden sich an einem großen Entlüftungsrohr in der Nähe der Hansegracht.

Wind und Wetter haben sie ausgebleicht, sodass davon auszugehen ist, dass sie bereits ein paar Jahre hier hängen. Besonders schade ist es, dass ein kleiner runder Kleber kaum noch Farben aufweist. Er zeigt einen kleinen Zyklopen mit dem charakteristischen Auge, der versonnen in den Sternenhimmel schaut. Dabei kreuzt eine glücksbringende Sternschnuppe seinen Blick.

Der Streetartist Marambolage aus Hamburg schuf den kleinen Kleber, wie eine Signatur auf dem runden Sticker deutlich macht. Marambolages Arbeiten werden von der Streetartgalerie Affenfaust als verspielte, leuchtende Kunstwerke beschrieben, die das innere Kind in uns allen wecken wollen. Ähnlich verspielt kommt ein weiterer Aufkleber am gleichen Spot daher.

Er ist rechteckig und zeigt ein Lama oder Alpaka, das einen Zylinder auf dem Kopf trägt, der in der flauschigen Kopfwolle des Tiers fast verschwindet. Als Reiter sitzt ein Polyp auf dem Vierbeiner, der in drei seiner acht Arme eine Bierflasche hat. Er ist mit einem Partyhut ausgestattet. Der naheliegende Name des Artist lautet dann auch: Party Polyp. Das kleine Stück Hamburg in Duisburg zeugt vom grenzüberschreitenden Austausch der Stickerkünstler*innen: Von Hansestadt zu Hansestadt. Ferdinand Leuxner

Alle Abb.en Leuxner, 2026.

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