In der Sammlung Gierhartz finden sich eine Vielzahl von Aufklebern aus den 1990er Jahren. Damals steckte das Internet noch in den Kinderschuhen. Um Aufmerksamkeit für Bildung- und Weiterbildungsangebote in die Öffentlichkeit zu bringen, eigneten sich Sticker besonders gut: Im unverklebten Zustand konnten sie verschenkt werden oder man stolperte im öffentlichen Raum über sie.
Im heutigen Blog soll ein Sticker im Mittelpunkt stehen, der sich an ein junges Publikum richtete. Der rechteckige Kleber wurde mit einer positiven Botschaft versehen. „Solidarität mit arbeitslosen Jugendlichen“ steht ganz oben auf dem gesammelten Exemplar. Der Spruch spielt auf die hohe Jugendarbeitslosigkeit in der Zeit nach der Deutschen Einheit an, die 1997 ihren Höhepunkt erreichte. Damals war etwa jeder zehnte 15- bis 25jährige im Westen ohne Job.
Um dieser Entwicklung etwas entgegenzusetzen, sollte mit dem Sticker auf Fortbildungsmöglichkeiten aufmerksam gemacht werden. Im Zentrum des Aufklebers wurde ein hölzerner Werkzeugkasten, eine sogenannte Werkkiste dargestellt. In dieser befinden sich verschiedene Werkzeuge, darunter ein Engländer, ein Hammer oder eine Zange. Der in Grün gehaltene Kleber spielt dabei in Wort und Bild auf die Institution „Duisburger Werkkiste“ an.
Die Einrichtung, die sich heute auf verschiedene Standorte im Duisburger Norden verteilt und unter anderem duale Ausbildungen anbietet, wurde 1982 durch das Katholische Jugendamt Duisburg und den Bund der Deutschen Katholischer Jugend gegründet. Ziel war es damals, einen Anlaufpunkt zu schaffen. Auf dem Sticker wird auf eine „Beratungsstelle und [ein] Bildungszentrum“ hingewiesen. Jugendlichen sollten hier vor allem Perspektiven aufgezeigt werden. Es ist den medialen Möglichkeiten der Zeit geschuldet, dass auf dem Kleber mit einer Festnetznummer für die Angebote geworben wird. Ferdinand Leuxner
Abb. Leuxner, 2026.
Kommentar hinzufügen
Kommentare