Zwei weiße Wale

Veröffentlicht am 1. Juli 2026 um 10:11

Am 18. Mai 1966 ging bei der zentralen Wasserschutzpolizeistelle in Duisburg-Ruhrort ein Hinweis auf ein seltsames Tier im Rhein ein. Nach einer Inaugenscheinnahme bei Stromkilometer 777,5 war klar: Ein Weißwal oder Beluga schwamm hier vor der Industriekulisse. Sein Auftauchen wurde schnell zu einem medialen Großereignis. Schaulustige strömten ans Ufer und die Presse berichtete minutiös.

Die Ereignisse von 1966 scheinen ihren Nachhall auch unter den Street-Artists Duisburgs gefunden zu haben. Im Jahr 2012 hielt der Blogger Heinrich Hafenstädter einen großen Paste-Up-Wal in Hochfeld im Bild fest. Das Tier mit einer blauen Träne am Auge scheint tätowiert zu sein und spielt damit auf den aus der Südsee stammenden, volltätowierten Harpunier Queequeg an, der im Roman Mobby-Dick von Hermann Melville eine wichtige Rolle spielt.

Auch der echte Duisburger Wal wurde 1966 bald mit dem großen Romanvorbild in Verbindung gebracht und erhielt von der Lokalpresse den Namen „Moby Dick“. Ähnlich wie der weiße Wal aus dem Buch machten bald unterschiedliche Personen Jagd auf das Tier. Besonderes Interesse an dem echten „Moby Dick“ hatte der Duisburger Zoodirektor Dr. Wolfgang Gewalt.

Und auch der Paste-Up-Wal von Hochfeld ist nicht von Verfolgung verschont geblieben: Als eine der blauen Tätowierungen tauchte auf dem Foto von 2012 das Wort „Ahab“, ein Schiff und eine stilisierte Harpune auf dem Rücken des Klebewals auf. Beide Duisburger Wale verschwanden unter ungeklärten Umständen: Während sich der echte „Moby Dick“ im Juni über die Nordsee auf und davon machte, lassen sich vom Klebewal aus dem Hafenstadt-Blog heute keine Spuren mehr finden. Ferdinand Leuxner

Abb. 1: Heinrich Hafenstädter, 2012.

Abb. 2: Augustus Burnham Shute, 1896 [gemeinfrei].

Zum Weiterlesen: 

Kommentar hinzufügen

Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare.