Rechtsextreme Sticker im Fokus

Veröffentlicht am 3. August 2026 um 08:34

Die Blogeinträge in der ersten Augustwoche 2026 werden eine veränderte Ästhetik aufweisen. Der Grund dafür ist eine neu für den Blog erschlossene Sammlung politischer Sticker. Auf den vorgestellten Aufklebern sind extrem rechte Botschaften abgedruckt worden, darunter xenophobe, queerfeindliche, klassistische, verschwörungsgläubige oder misogyne Aussagen. Teilweise wurden auch verfassungswidrige Symbole darauf angebracht. Um diese Botschaften nicht ungewollt selbst zu verbreiten, wurden die Sticker verfremdet.

Allen gemeinsam ist, dass sie irgendwann einmal auf Duisburger Straßen hingen. Die Sammlung macht deutlich, dass rechtsextreme Sticker kein Phänomen der 2020er Jahre sind, sondern sich bereits seit Jahrzehnten in gewissen Kreisen einiger Beliebtheit erfreuen. Dem archivischen Charakter der Sammlung ist es aber auch geschuldet, dass hier nur Sticker gezeigt werden, die heute nicht mehr im Stadtbild zu finden sind. In der Regel besitzen solche Kleber in Duisburg nur eine geringe Halbwertszeit, weil sie von zivilgesellschaftlichen Akteur*innen schnell entfernt werden.

Ausgewertet wurden Aufkleber, die vom Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) seit den 1990er Jahren gesammelt wurden. Die Sammlung setzt sich zu größten Teilen aus Zufallsfunden mit einem Fokus auf die Stadtteile der Stadtmitte und des Duisburger Südens zusammen, die in der Masse allerdings einen tiefergehenden Blick in die Themen der Rechtsextremen im Zeitverlauf ermöglichen. Dabei ist zunächst festzustellen, dass sich die inhaltlichen Schwerpunkte seit 30 Jahren nicht verändert haben.

So ist auf einem archivierten Kleber vom 26. Februar 1997 eine große Menschenmenge vor einem als „Arbeitsamt“ bezeichneten Gebäude zu sehen. Die in Rot gehaltenen Texte verweisen mit den gegenübergestellten Schlagworten „Volk“ und „Kapital“ auf antisemitische Stereotype, die seit dem 18. Jahrhundert kursieren und in denen einer jüdisch gelenkten Elite besondere Nähe zum Finanzkapital unterstellt wird. Er hofft von der hohen Jugendarbeitslosigkeit am Ende der 1990er Jahre zu profitieren.

 Der Sticker wurde vor allem entlang des Sonnenwalls in der Innenstadt in einer gezielten Aktion verklebt. Hinter den Klebern steckten die Jungen Nationaldemokraten, die Jugendorganisation der 2023 aufgelösten NPD. Die gleichen Aufkleber waren auch im April 1998 auf dem Stadtgebiet zu finden. Über zehn Jahre später tauchte das gleiche Narrativ auf einem Sticker in Duissern auf: Mit dem abgedruckten Straßenschild des New Yorker Finanzdistrikts entlang der „Wall Street“ wurde gegen den vermeintlich jüdisch unterwanderten Kapitalismus und den „BRD Realitäten“ vonseiten einer nicht mehr existierenden „AG-Ruhr-Mitte“ argumentiert. Die neue Sammlung von hasserfüllten Botschaften soll im Blog regelmäßig vorgestellt werden, um Strategien der Rechtsextremen sichtbar zu machen. Ferdinand Leuxner

Alle Abb.en Leuxner, 2026.

Ich danke dem Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) für die Möglichkeit, die Stickersammlung auszuwerten. Die Sticker wurden verpixelt, um nicht ungewollt deren Botschaften und Symbole zu verbreiten.  

Kommentar hinzufügen

Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare.