Alles nur geklaut

Veröffentlicht am 5. August 2026 um 11:19

In dieser Woche stehen einzelne Sticker einer Sammlung von rechtsextremen Eingriffen in den Stadtraum im Mittelpunkt. Ausgewertet wurde die im Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) archivierte Sammlung, die Zufallsfunde seit den 1990er Jahren beinhaltet. Um die hasserfüllten Botschaften der Rechtsextremen nicht ungewollt zu verbreiten, wurden die Sticker verfremdet.

Heute soll es um rechtsextreme Sticker gehen, die sich in ihrer Ästhetik an andere politische Aufkleber, zumeist antifaschistische, anlehnen und teilweise deren Symbole schlicht kopieren. Diese Taktik dient dazu, mit den Stickern länger im Stadtraum sichtbar zu bleiben und ist zugleich als „Claiming“ (also dem Beanspruchen) dieser Bilder und Symbole zu verstehen. Besondere Bedeutung hatten solche Übernahmen von eigentlich antifaschistischen Symbolen in Duisburg in den 2000er und 2010er Jahren.

Sehr häufig griff man dabei auf das runde Logo mit der Umschrift „Good Night White Pride“ (engl. Gute Nacht weißer Stolz)  zurück, dass in den 1990er Jahren von Akteur*innen aus der Hardcore-Punk-Szene erdacht worden war und rechten Tendenzen in der eigenen Subkultur entgegenwirken sollte. Darauf zu sehen sind zwei Umrisse in einer Kampfsituation, wobei der eine ein verfassungswidriges Keltenkreuz auf der Brust trägt. Die martialische Aufmachung erleichterte den Rechtsextremen eine Vereinnahmung. 

In Duisburg fanden sich etwa am 31. Juli 2014 Aufkleber im Hochfelder Rheinpark, auf denen die Szenerie auf den Stickern unter veränderten Vorzeichen verwendet wurde. Ein Mann mit einer Hakenkreuzbinde kotet in das Gesicht eines mit einem roten Stern ausgestatteten Mannes. Die Umschrift lautete: „Kot Night Left Side“ (engl. Kotnacht, Linke Seite). Ganz ähnlich wurde mit dem Bild auf einem Sticker verfahren, der im Juli 2008 auf Duisburger Stadtgebiet verklebt worden war. Hier tritt ein Umriss gegen einen roten Stern, die Umschrift „Good Night Left Side“ greift das Original unter Umkehrung der ursprünglichen Absicht gezielt auf. 

In ganz ähnlicher Manier verfuhr man von rechtsextremer Seite mit den im Blog bereits behandelten Antifa-Flaggen (Zwei Flaggen wehen in der Stadt / Blog | Bildstockart). Das eigentlich aus einer schwarzen und roten Flagge bestehende Symbol wurde auf zwei schwarze Flaggen reduziert. Am 26. Mai 2010 fanden sich solche Flaggen mit der Umschrift „Nationale Sozialisten Bundesweite Aktion“ in der Duisburger Stadtmitte. Durch die undurchdachte Nutzung der Bilder und die kaum nachvollziehbare Verwendung der Texte blieben die Adaptionen jeweils Einzelstücke, das „Claiming“ hatte also keinen Erfolg. Ferdinand Leuxner

Abb. 1, 3, 4: Leuxner, 2026.

Abb. 2: Good Night, White Pride. gemeinfrei.

Ich danke dem Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) für die Möglichkeit, die Stickersammlung auszuwerten. Die Sticker wurden verpixelt, um nicht ungewollt deren xenophobe, queerfeindliche, klassistische, verschwörungsgläubige oder misogyne Botschaften und verfassungswidrige Symbole zu verbreiten. 

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