In dieser Woche stehen einzelne Sticker einer Sammlung von rechtsextremen Eingriffen in den Stadtraum im Mittelpunkt. Ausgewertet wurde die im Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) archivierte Sammlung, die Zufallsfunde seit den 1990er Jahren beinhaltet. Um die hasserfüllten Botschaften der Rechtsextremen nicht ungewollt zu verbreiten, wurden die Sticker verfremdet.
Heute werden Sticker thematisiert, die im Jahr 1998 an einigen Stellen im Stadtgebiet anzutreffen waren. Es handelte sich um Aufkleber, die die Einführung des Euro kritisieren und dabei immer wieder auf rechtsextreme Metaphern und sprachliche Bilder verweisen. Die in den 1990er Jahren vorbereitete Einführung des Euro, die mit dem Umtausch der D-Mark im September 2001 für viele Menschen sichtbar wurde, wurde tatsächlich von einer Bevölkerungsmehrheit abgelehnt.
Deshalb erhofften sich Rechtsextreme mit dem Thematisieren größeres Interesse auch für andere ihrer Botschaften zu erhalten und betätigten sich als „Trittbrettfahrer*innen“. Besonders häufig tauchten eurokritische Sticker im Umfeld der seit 1969 erscheinenden „Unabhängigen Nachrichten“, einer rechtsextremen Monatszeitschrift aus Oberhausen auf, die sich eigentlich schwerpunktmäßig auf die Relativierung der deutschen Kriegsverbrechen konzentriert und eine jugendliche Zielgruppe ins Auge fasst.
Erstmals in der Sammlung fassbar sind die Sticker am 26. Juli 1998 zu machen. Verklebt wurden sie in der Duisburger Stadtmitte. Auf den Aufklebern ist eine schmelzende D-Markmünze zu sehen, darüber wird auf eine Bevölkerungsmehrheit gegen den Euro verwiesen. Es ist der Satz „Woher nehmen die Politiker das Recht, sich über den Volkswillen hinwegzusetzen?“, der den rechtsextremen Kern des Klebers verrät. Argumentiert wird nämlich nicht mit volkswirtschaftlichen Nachteilen aus der Euro-Einführung, sondern mit einem undefinierten „Volkswillen“. Geschürt wird zugleich der Hass auf politische Entscheidungsträger*innen.
Am 24. August 1998 landete ein weiterer Sticker im Archiv des DISS, der noch im Jahr 2000 regelmäßig in Duisburg-Neudorf anzutreffen war. In einem roten Rahmen ist darauf ein gezeichnetes Comic-Männchen zu sehen, dass mit traurigem Blick auf seine leeren Taschen verweist. Die Parolen wenden sich gegen die Euro-Einführung und spielen auf das hohe Vertrauen der „Deutschen“ in die D-Mark und die Konstruktion der „Kunstwährung“ Euro an.
Auf dem T-Shirt des Männchens steht „Ich gab Mark für Euro“. Der Spruch verweist auf die Kriegsfinanzierung während des Ersten Weltkriegs, als die Bevölkerung dazu angehalten wurde, Goldschmuck gegen Eisenschmuck zu tauschen. Die Taktik, auf Themen, die in der Bevölkerung umstritten sind, vonseiten der extremen Rechten aufzuspringen, ist noch heute weit verbreitet. Ferdinand Leuxner
Alle Abb.en Leuxner, 2026.
Ich danke dem Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) für die Möglichkeit, die Stickersammlung auszuwerten. Die Sticker wurden verpixelt, um nicht ungewollt deren xenophobe, queerfeindliche, klassistische, verschwörungsgläubige oder misogyne Botschaften und verfassungswidrige Symbole zu verbreiten.
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