Wiedersehen in der Hafenstadt

Veröffentlicht am 4. September 2026 um 08:31

Der heutige Blogeintrag thematisiert einen einzelnen Sticker, der im Jahr 2017 mal in Duisburg hing. Er ist bunt und transportiert eine progressive Botschaft. Dabei soll es heute aber vor allem um die Umstände gehen, unter denen der Sticker fotografiert wurde. Denn er hing an einem Ort, der seit langer Zeit nicht mehr zugänglich ist und wurde von jemandem fotografiert, der erst seit kurzem wieder auf Sendung ging.

Der Sticker kann mit seinem Erscheinungsbild der Hippie-Kultur zugeordnet werden. In knalligen Farben wird darauf ein Mund mit einer herausgestreckten Zunge inszeniert, wie er beispielsweise auch auf dem Tongue-and-Lips-Logo der Rolling Stones zu finden ist. Auf der Zunge findet sich die Botschaft: „Drop acid not bombs“ (engl. Acid knallen statt Bomben), Drogenkonsum statt Waffen. 

Festgehalten wurde der Sticker an einer Straßenlaterne im Rheinpark. Das Areal war lange Zeit von der Schwerindustrie genutzt worden. Seit 2008 entstand in mehreren Abschnitten eine große Grün- und Naherholungsanlage, auf der große Flächen der noch vorhandenen Industrieruinen durch Streetartists, insbesondere Graffiti-Künstler*innen genutzt wurden. Das Großprojekt Rheinpark, das um eine Wohnanlage ergänzt werden soll, war bereits Ziel von politischer Auseinandersetzung auf Stickern im Stadtraum (Duisburg über Duisburg in Duisburg / Blog | Bildstockart).

Im Jahr 2027 ist das Gelände als Teilausrichtungsort für die Internationale Gartenausstellung (IGA) verplant, weshalb es umgebaut wird. Seit 2025 ist der Park für die Bewohner*innen Hochfelds deshalb nicht mehr nutzbar, während der IGA soll ein hohes Eintrittsgeld verlangt werden. Auf diesen Zusammenhang wies Heinrich Hafenstädter im Sommer 2026 in seinem Hafenstadtblog hin.

 Hafenstädter ist auch der Fotograf, der hinter dem 2017 aufgenommenen Aufkleber mit der pazifistischen Zunge steckt. Der Blog, der neben der Lokalpolitik auch immer wieder Streetart in Duisburg behandelte, war im Zuge der Corona-Pandemie zeitweilig stillgelegt worden. Umso erfreulicher ist es, dass Hafenstädter das Projekt vor kurzer Zeit neu gestartet hat. Ein Wiedersehen mit den Stickern im Rheinpark wird es aber wohl erst 2028 geben, nach dem Ende der IGA. Ferdinand Leuxner

Abb. 1: Heinrich Hafenstädter, 2017.

Abb. 2: Tongue-and-Lips-Logo, Niki Walton, CC BY-SA 2.0.

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