Auf diesem Blog werden in der Regel Lösungen für die Interpretation von Stickern angeboten. Durch die ausführliche Beschreibung einzelner Kleber werden die Arbeiten verschiedenen Künstler*innen zugeordnet oder die Aufkleber gleich in die Chronologie der Kunstgeschichte gestellt. Heute soll es um Sticker gehen, die schon lange in der Stadt hängen, die bisher aber noch nicht entziffert worden sind.
Dabei sind die Sticker auf den ersten Blick gar nicht kompliziert. Im Grunde bestehen sie nur aus ein paar geometrischen Figuren, die in bestimmter Art und Weise auf Papier gebracht wurden. Eine Signatur fehlt. Die Sache wird komplizierter, weil es verschiedene Aufmachungen der immer gleichen Zeichenfolge gibt. Insgesamt können fünf Varianten ausgemacht werden.
Erstens: Die geometrischen Elemente auf dem Sticker sind durchgängig farbig dargestellt. In diesem Fall sieht man von links nach rechts drei blaue, hochkant angeordnete Rechtecke – eines davon wohl aus ästhetischen Gründen auf einer Seite abgerundet – und eine rote Figur in L-Form. Zweitens: Alle Figuren besitzen zwar einen blauen bzw. roten Rahmen, diese sind aber jeweils nicht ausgemalt. Drittens: Die Farben der Figuren sind vertauscht, zwei gelbe Rahmen umgeben sie und aus der L-förmigen Figur wurden zwei Rechtecke unterschiedlicher Größe. Viertens: Alle Figuren wurden Rot auf gelbem Grund dargestellt. Und Fünftens: Alle Figuren wurden unausgemalt auf gelbem Grund dargestellt.
Was wollen uns die Zeichen sagen? In Betracht zu ziehen ist, dass es sich lediglich um ein Logo handelt. Wie der berühmte Swoosh eines us-amerikanischen Sportartikelherstellers steckt dahinter keine tiefere Bedeutung. Die Figurenfolge hätte in diesem Fall einen rein ornamentalen Wert. Alternativ stehen die einzelnen Elemente für Buchstaben o. Ä. Wendet man beispielsweise das Morsealphabet auf die Figuren an, interpretiert man die drei langgestreckten Rechtecke („einmal lang“) als T-Folge und die beiden Elemente rechts davon als A („einmal kurz, einmal lang“). (Wikipedia, Morsecode)
Die so entstandene Buchstabenfolge TTTA wäre allerdings weiterhin interpretationsbedürftig. Und: Das Morsealphabet stellt nur eine mögliche Form der Verschlüsselung dar. Geometrische Verschlüsselungsformen existieren bereits spätestens seit dem 16. Jahrhundert. So wurden etwa auch Botschaften der Freimaurer über geometrische Figuren verschlüsselt. Deshalb wendet sich der Autor dieses Textes an die Leser*innen: Wer weiß, was hinter den seltsamen Zeichen auf dem Sticker steckt? Ferdinand Leuxner
Alle Abb.en Leuxner, 2026.
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