Ungeplante Obsoleszenz

Veröffentlicht am 6. März 2026 um 09:14

Geplante Obsoleszenz „ist eine Marketingstrategie, bei der das vorzeitige Veralten eines Produktes [...] vom Hersteller geplant und konzeptionell vorgesehen ist.“ (Wikipedia, Geplante Obsoleszenz). Auch Sticker-Klebende kennen dieses Phänomen. Denn wenn die Demonstration oder das Ereignis, das auf dem Sticker beworben wird, vorüber ist, verliert der Aufkleber seine Aktualität. Übrig bleibt eine Erinnerung an den Versuch, die Welt ein Stück besser zu machen.

Eine besondere Tragik strahlt dabei der fast nicht mehr sichtbare Aufkleber aus, der sich an einer Ampel in der Mülheimer Straße befindet. In Großbuchstaben ist da das Wort RUHR zu entziffern, daneben steht die Jahreszahl 2010. Es handelt sich um einen Werbesticker für das Ruhrgebiet als Kulturhauptstadt Europas. Die blauen Buchstaben „K [...]“ und „[...] opas“ befinden sich folgerichtig in der unteren Zeile des Stickers.

Durch die Bewerbung zur Kulturhauptstadt erhoffte man sich in den beteiligten Städten, darunter Duisburg, damals neue Anstöße für die Kreativwirtschaft zu erhalten und das Ruhrgebiet als Tourismusdestination beliebter zu machen. Die im Rahmen der Kulturhauptstadt veranstaltete Loveparade auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs, die am 24. Juli 2010 stattfand und in einer Katastrophe mit 21 Toten endete, warf dann aber einen dunklen Schatten über das weitere Jahr.   

In Duisburg stolpert man immer wieder aber auch auf ungeplante Sticker-Obsoleszenzen. Ein an der Autobahnbrücke nahe des Innenhafens angebrachter Aufkleber zeugt davon: Eine Walnuss, ein Handschuh und eine Erdbeere mit Augen und Extremitäten winken darauf den Passant*innen zu. Sie sind dem Logo eines Kindermuseums entnommen, das es in Duisburg einmal gab.

Das „Explorado“ war in einem der Speicherbauten im Innenhafen untergebracht und warb mit dem Slogan, „Deutschlands größtes Kindermuseum“ zu sein. Es eröffnete im Jahr 2013 in der ehemaligen Werhahnmühle, zuvor war bereits das „Atlantis Kindermuseum“ und ein „Discovery Center“ eines großen, dänischen Klemmbausteineherstellers in den Räumlichkeiten untergebracht gewesen. Bereits 2021 schloss das Museum allerdings seine Pforten und der Sticker verlor seine Werbebedeutung. Ferdinand Leuxner

 

Alle Abb.en Leuxner, 2026.

 

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