MSV-Aufkleber im Duisburger Stadtraum zeigen besonders häufig Zebras. Das kann nicht überraschen, bildet doch das Tier mit seinen markanten Streifen einen willkommenen Bezugspunkt zu den gestreiften Trikots der Fußballer und Fußballerinnen des Vereins. In der Stadt sind die anderen Maskottchen des Meidericher Spielvereins heute fast verschwunden, zumindest im Stadtbezirk Mitte stößt man kaum noch auf sie.
Lediglich in dem Stadtteil, in dem die Geschichte des Vereins begann, kann man noch vereinzelte Aufkleber-Exemplare mit einem gefiederten Tier ausmachen. Glücklicherweise hat auch der MSV-Museums-Verein, der zwar kein festes Haus besitzt, aber seine Sammlung von Objekten aus der Geschichte des Sportclubs zu verschiedenen Anlässen präsentiert, ein Exemplar des Stickers aufbewahrt. Darauf ist ein Hahn statt eines Zebras zu sehen.
Das Tier aus der Gattung Gallus gallus wurde auf dem Sticker im Profil dargestellt, es scheint zu krähen. Die runden Aufkleber sind ansonsten lediglich mit dem Namen des Vereins versehen. Irgendwelche Hinweise auf die Herkunft des Hahns sind also auf dem Kleber selbst nicht zu entdecken. Erst ein Blick in die Geschichte des Stadtteils Meiderich selbst, hilft, um hinter die Bedeutung des Hahns zu kommen.
Am Anfang stand ein jährlich abgehaltenes Volksfest: Die bis ins 19. Jahrhundert immer im September veranstaltete Hahnenkirmes war bekannt für eine Ausstellung der schönsten Hähne, die durch Meiderich getrieben wurden. Die Tradition wurde von den benachbarten Ruhrortern allerdings als Zeichen für die hinterwäldlerischen Bewohner des damals noch sehr dörflichen Meiderich interpretiert. Wenn ein Ruhrorter einem Meidericher begegnete, wurde dieser in der Vergangenheit nicht selten angekräht, um ihn zu provozieren.
Der ursprünglich als diffamierender Neckname für die Meidericher genutzte Hahn wurde aber bald in der Art eines Trotz- oder Geusenwortes von den Geneckten selbst verwendet. Bereits um 1900, kurz vor der Gründung des MSV, verwiesen die Meidericher mit dem Hahn als Symbol für ihre Stadt stolz auf ihre bäuerliche Herkunft. Neben den Fußballstickern finden sich im Stadtteil heute an allen Ecken und Enden Hähne, die teilweise von namhaften Künstler*innen geschaffen wurden. Ferdinand Leuxner
Abb. Leuxner, 2026.
Zum Weiterlesen:
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Alfons Winterseel: Duisburg: Wie der „Meidericher Hahn“ ein Symbol für Wehrhaftigkeit wurde, RP (2021), abgerufen am 16. März 2026.
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