In den 1960er Jahren begann das große Zechensterben in Duisburg. Die Wirtschaftsstrukturen der Stadt wandelten sich, wobei die schwere Arbeit unter Tage langsam verschwand. Ausgerechnet auf das Jahr 1967 datieren die ersten Pläne, die Straßenbahnen Duisburgs als Stadtbahn teilweise unterirdisch zu verlegen. Seit 1992 fahren die Bahnen in der Innenstadt durch einen Tunnel.
Trotz des U-Bahn-Baus sind die Verbindungen der Menschen in der Stadt zu den unter der Erde lagernden Schätzen heute vor allem nostalgischer Natur. Erinnerungen an die Zeit der großen Bergwerke sind in den Straßen allgegenwärtig. Dabei bedienen sich die Sticker Artists an Rhein und Ruhr einem unterirdisch lebenden Tier, um die Beziehungen zum Untergrund zu verdeutlichen: Dem Maulwurf.
Besonders häufig stolpert man im Stadtraum über einen Vertreter aus der Ordnung der Insektenfresser, dessen Antlitz an den Star einer tschechischen Kinderserie aus den 1950er Jahren erinnert. Der namensgebende „kleine Maulwurf“ ist darauf aber nicht nett und freundlich. Stattdessen präsentiert er sich mit einer wurfbereiten Karotte, einem Nietenring und Gesichtstuch in ganz ähnlicher Haltung wie das berühmte „throwing flowers“ des Streetart-Künstlers Banksy. Daneben ist eine Version mit MSV-Motiven im Umlauf.
Auf der Brust des wütenden Maulwurfs erkennt man die Buchstabenkombination RHRGBT, hinter der das disemvowelte Wort Ruhrgebiet steckt (rgndws fhlt / Blog | Bildstockart) und auf einen gleichnamigen Instagramkanal anspielt. Maulwürfe tauchen aber auch in anderen Kontexten auf. So wurde auf dem Gebiet des Landschaftsparks ein Sticker mit einem naturalistisch gezeichneten Exemplar des Europäischen Maulwurfs verklebt. Wie die Bergmänner am Ende der Schicht taucht er oberhalb des Maulwurfshügels aus dem Erdreich auf.
In der Düsseldorfer Straße stößt man dagegen auf einen fast menschlich anmutenden Vertreter. Der Maulwurf weist große Ähnlichkeiten zu dem Tier auf, das im Kinderbuch von Werner Holzwarth und Wolf Erlbruch wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hatte. Allerdings weist der Sticker-Maulwurf nicht die naive Neugier des Originals auf. Mit einer Binde der Alternative für Deutschland und einem Kothaufen im Kopf ist er unterwegs, herauszufinden, wer ihm in den Kopf gekackt hat. Ferdinand Leuxner
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