DU – ausländerfreundlich

Veröffentlicht am 6. Mai 2026 um 12:52

In den 1980er und 1990er Jahren wurde Duisburg von einer Welle von Brandanschlägen erschüttert, deren Motive bis heute teilweise ungeklärt sind. Das Ziel waren immer wieder Wohnhäuser, in denen die noch immer als „Gastarbeiter“ bezeichneten, türkischen Einwohner*innen lebten. Bereits „[d]amals [...] waren Übergriffe auf Ausländer und Asylbewerber von hohen Zustimmungsraten zu rechtspopulistischen Parteien bzw. Bewegungen begleitet.“ (Thomas Grumke) 

In dieser Situation formierte sich in der Stadt ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis, das sich der diskursiven Verengung entgegenstellte. Um sich im öffentlichen Raum zu organisieren und die Sichtbarkeit von anderen Meinungen zu erhöhen, griff man vor allem in den 1990er Jahren immer wieder auch auf Sticker zurück. Dabei waren diese vor allem für die Anbringung am eigenen PKW vorgesehen.

Ein solches Beispiel ist in der Sammlung Gierhartz zu finden: Der Aufkleber ahmt bereits in seinem Erscheinungsbild ein Kraftfahrzeugkennzeichen nach. Das Kürzel „DU“ für die kreisfreie Stadt Duisburg kann dabei gleichzeitig als Anrede „du“ gelesen werden. Daneben ist das Wort „ausländerfreundlich“ zu sehen, das eine klare Abgrenzung gegenüber xenophoben Einstellungen anzeigt.

An der Stelle, an der auf einem Kennzeichen die Plakette zur Abgasuntersuchung prangen würde, ist das Logo des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend zu finden. Die Kontaktdaten entdeckt man unterhalb des Schriftzuges. Ähnlich wie ein Wahlkampfsticker der SPD, der im Blog bereits thematisiert worden ist (https://www.bildstockart.org/blog/2820006_zufallsfund-von-1984), wurde der Sticker vonseiten des Verbandes zentral verteilt. Darauf verweist ein weiterer Aufkleber auf der Rückseite.

Der hier angebrachte Stempel, auf dem noch die alte Postleitzahl 4100 zu sehen ist, macht deutlich, dass der Aufkleber vor dem Sommer 1993 ausgegeben wurde. Der Sticker ist in den Farben Blau und Rot gehalten. Das Thema, das auf ihm behandelt wird, ist zeitlos: Selbstbewusstes Eintreten für die Schwächeren in der Gesellschaft. Ferdinand Leuxner

Alle Abb.en Leuxner, 2026.

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