Sticker der Woche: Doppelporträt

Veröffentlicht am 5. Oktober 2026 um 07:42

Mit der Erfindung der Fotografie im 19. Jahrhundert verbreitete sich die Tradition, besondere Tage im Bild festzuhalten. Die Geburt eines Kindes, die Einschulung oder der Tod eines nahen Angehörigen gehörten dazu genauso wie die Ehe. Besonders diese Hochzeitsfotos folgten bestimmten Vorgaben: Fast immer sind die beiden Ehepartner*innen auf dem Foto zu sehen, oft in festlicher Aufmachung.

Dabei steht das Hochzeitsfoto in einer viel älteren Tradition: Vor dem Fotografen wurden wohlhabende Brautpaare oder solche, die es werden sollten, von Maler*innen besucht und die beiden Verlobten (oder schon Verheirateten) im Bild festgehalten. In Duisburg wurde der alte Brauch des Doppelporträts in Form eines Stickers aufgegriffen, von dem sich noch einige Exemplare um den Dellplatz herum erhalten haben.

Das Klebe-Porträt spielt gezielt mit den gemalten Vorgängern: Die beiden Dargestellten sind nicht, wie etwa auf modernen Hochzeitsfotos, Hand in Hand gezeichnet. Stattdessen stehen sich die beiden in Form zweier Schulterstücke gegenüber. Solche Gemälde finden sich in der Kunstgeschichte vielerorts. So erinnert der Sticker etwa an das Ehepaar Federico da Montefeltro und Battista Sforza, die sich 1473 vom italienischen Maler Piero della Francesca in gleicher Manier (allerdings auf zwei Gemälden) abbilden ließen.

Hier wie da sind die Dargestellten mit bestimmten Merkmalen ausgestattet. Während es bei Federico und Battista teure Kleidung und wertvoller Schmuck ist, zeigen sich die beiden Doppelporträtierten auf dem Sticker mit Rüschenkleid, Nasenpiercing, Schnurrbart und Fred-Perry-Shirt. 

Das moderne Paar wird von einem aus Seilstoff gewundenen Herz eingefasst. Darunter blühen mehrere Blumen im Stil von Tattoo-Motiven. Schließlich wurden auch die Anfangsbuchstaben der Vornamen auf dem Sticker verewigt. 

Der Sticker am Dellplatz fungierte vielleicht als Ankündigung der bevorstehenden Hochzeit oder machte einfach auf die schon länger bestehende Beziehung aufmerksam. In jedem Fall ist das Doppelporträt ein besonders schönes Beispiel dafür, dass historische Kunstformen auch im 21. Jahrhundert neu aufleben können. Ferdinand Leuxner

Abb. 1: Sticker, Leuxner, 2026.

Abb. 2 u. 3: Doppelporträt Piero della Francesca, beide gemeinfrei.

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