Heute stehen einzelne Sticker einer Sammlung von rechtsextremen Eingriffen in den Stadtraum im Mittelpunkt. Ausgewertet wurde die im Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) archivierte Sammlung, die Zufallsfunde seit den 1990er Jahren beinhaltet. Um die hasserfüllten Botschaften der Rechtsextremen nicht ungewollt zu verbreiten, wurden die Sticker verfremdet.
Heute soll es um Sticker gehen, die vor allem während der Corona-Pandemie Verbreitung fanden. Darauf werden Verschwörungserzählungen verbreitet, die mit den damals vonseiten der Politik erlassenen Seuchenbekämpfungsmaßnahmen in Verbindung standen. Die Zeit der Pandemie ist generell von einer Vielzahl an Falschinformationen geprägt, die durch soziale Netzwerke schnell ein großes Publikum fanden.
Da die Corona-Pandemie als weltweite Katastrophe auch für die Handelnden vonseiten Politik und Behörden neu war, wurden hier – besonders hinsichtlich der Kommunikation einzelner Maßnahmen – auch immer wieder Fehler gemacht. Die Sticker verbreiten allerdings falsche Informationen und waren dazu geeignet, die Verunsicherung in der Bevölkerung zu erhöhen.
Besonders weit verbreitet waren falsche Informationen zum Virus, eine generelle Leugnung der Pandemie, aber vor allem Falschinformationen zu Schutz- und Heilmitteln. Solche, die sogenannte Corona-Impfung betreffenden Sticker können erst im Herbst 2021 in der Sammlung nachgewiesen werden, wobei der erste Impfstoff in der EU knapp ein Jahr zuvor, am 21. Dezember 2020, zugelassen worden war.
Die ersten Sticker mit Bezug zu den in der Folge forcierten Impfkampagnen gingen auf die Geschwindigkeit der Impfstoff-Zulassungen ein und operierten dabei mit drastischen Bildern. Eine Pistole, aus der eine Spritze ragt, steht im Mittelpunkt eines Aufklebers, der in Duisburg-Neudorf gefunden. Der Text „Hast du Lust auf eine Runde Russisches Roulette? Dann gönn dir einfach eine Corona Gen-Impfung“ stellt die Eignung der Impfung vollständig infrage.
Während dieser Kleber noch als überspitzte Kritik an den Vorgängen gewertet werden kann, macht ein weiterer Sticker aus dem Herbst 2021 die Verschwörungserzählung deutlich. Zwei Hände, die Ketten aufsprengen, bilden das einzige Bild auf dem Kleber. Der Text verbreitet das unwahre Narrativ von einer mit der Impfung verbundenen Zweiklassengesellschaft von Geimpften und Ungeimpften („Grundrechte, die man sich er-impft halten 6 Monate“) und bringt einen möglichen Kampf gegen jenes vermeintliche Unrecht ins Spiel („Grundrechte, die man sich erkämpft halten fürs Leben“).
Andere Sticker kehrten die in der Corona-Pandemie geforderte Solidarität in der Bevölkerung zu negativem Verhalten um, fantasierten von bis zu 40 Lockdowns, die noch bevorstehen würden oder lehnten die Impfung rundheraus ab. Daneben wurden immer wieder sogenannte vulnerable Gruppen wie Kinder in die Argumentationen einbezogen. Als Trittbrett-Aktion, wie sie bereits im Blog vorgestellt wurde (Vom Trittbrettfahren / Blog | Bildstockart), nutzte man die Pandemie, um rechtsextreme Staatskritik gesellschaftsfähig zu machen. Ferdinand Leuxner
Alle Abb.en Leuxner, 2026.
Ich danke dem Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) für die Möglichkeit, die Stickersammlung auszuwerten. Die Sticker wurden verpixelt, um nicht ungewollt deren xenophobe, queerfeindliche, klassistische, verschwörungsgläubige oder misogyne Botschaften und verfassungswidrige Symbole zu verbreiten.
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