Sticker der Woche: Ein frühes Symposium

Veröffentlicht am 25. Mai 2026 um 13:42

In ihrer StreetArt-Dokumentation „Bad Image“ erfasste die Duisburger Künstlerin Heike Marianne Liwa eine Vielzahl von Arbeiten im gesamten Stadtgebiet. Dabei legte sie einen Fokus auf die gesprayten Texte und Bilder, immer wieder verirrten sich aber auch Sticker unter die Aufnahmen. Im Juli 2019 stieß Liwa bei einer ihrer Touren durch die Stadt, sogar auf ein frühes Symposium, um das es im heutigen Blogeintrag gehen soll. Die Zusammenkunft verschiedener Sticker-Artists befand sich auf dem Areal der ehemaligen Spar-Zentrale, die sich heute als Ruine und Erinnerungsort der Stadtgeschichte im sogenannten Garten der Erinnerung mitten im Innenhafen befindet.

Anders als heutige Symposien bestand die Stickerwand damals nur aus insgesamt neun Aufklebern, die noch dazu ganz ähnliche Themen behandelten. Drei Sticker auf der Metalltür an der Ruine können eindeutig dem politischen Spektrum zugeordnet werden: Es handelt sich um Aufkleber, die eine Legalisierung des Konsums von Marijuhana-Produkten fordern.

Darunter sind zwei Produkte des Hanfverbandes und ein Sticker, der die Abenteuer von „Joiny & Smile auf gehighmer Mission“ thematisiert. Sticker, die sich für die Entkriminalisierung einsetzen, finden sich auch heute noch in großer Anzahl auf den Straßen Duisburgs (Kaffee statt Koks? / Blog | Bildstockart). Zwei weitere Aufkleber des Symposiums zeigen Körper im Raum (Sticker der Woche: Körper im Raum / Blog | Bildstockart) oder sprechen über sie. Zu sehen ist eine gezeichnete Vulva und das geschriebene Wort Schniedel.

Insgesamt präsentiert sich die Stickerzusammenkunft viel weniger farbenfroh als heutige Pendants. Viele der Sticker wurden in Schwarz-Weiß gehalten. Als Klassiker können die beiden Arbeiten der Street-Artist Dellephant gelten: Der namensgebende Origami-Elefant (damals noch handgemalt) ist genauso auf das Symposium geklebt wie ein skateboardfahrender Wellensittich (Sticker der Woche: Ein kleiner Elefant / Blog | Bildstockart). Und auch die gemalte Diskette gehört zu den bekanntesten Duisburger Klebemotiven (Sticker der Woche: Medienrevolution / Blog | Bildstockart). 

Ein einzigartiges Motiv ist dagegen der Aufkleber „Alf Ultras“. Angelehnt an einen Fußballsticker und die bedingungslose Fanliebe zum Verein, ist hier die 80er-Jahre-TV-Ikone Alf zu sehen, die einen Patronengürtel umgebunden hat. Das satirische Bild kennt heute mit den „Arte Ultras“ eine Entsprechung. Obwohl das Foto von Liwa gerade einmal vor sieben Jahren geschossen wurde, offenbaren sich auf ihm schon die großen Veränderungen, die der Duisburger Stickerbestand in dieser Zeit erfahren hat. Ferdinand Leuxner

Abb. Heike Marianne Liwa, 2019.

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